Tradition mit moderner Technik 23.09.2017
Walheim Von Susanne Yvette Walter   |   Bilder: Martin Kalb   © www.swp.de

Sein Vater noch hat in der Wein­gärtner­genossenschaft seine Trauben ab­geliefert, erzählt der Wengerter Eberhard Klein aus Walheim. Doch für ihn kam das nicht in Frage. Er baut selbst seine Weine aus. Im eigenen Weingut erzeugt Klein Weine, die sich bewusst an die Traditionen anlehnen, mit moderner Technik.

Mit einem Hand­refraktrometer misst Eberhard Klein aus Walheim den Oechsle­grad.

Während andere Wengerter sich im Herbst in die lange Schlange an Traktoren ein­reihen müssen, die vor den Wein­gärtner­genossenschaft warten, kann Eberhard Klein seine Trauben gleich im heimischen Weingut „versorgen“. Der Walheimer baut seine Weine in Eigen­regie aus, in der Haupt­sache für einen Stamm an Privat­kunden, denn eine Besen­wirtschaft betreiben die Kleins nicht. So produzieren sie „zu 95 Prozent für Privat­kunden aus der näheren und weiteren Umgebung und vereinzelt für die Gastronomie“, erklärt der Selbst­vermarkter.

Die Leseeimer hängen zum trockenen auf dem Gartenzaun. Danach beginnt die eigentliche Arbeit des Keller­meisters.

Auf zwei eigenen Veranstaltungen im Jahr präsentiert der Wengerter seine Weine, die Flasche für Flasche seine Hand­schrift tragen, einmal an Himmel­fahrt und einmal im Advent. „Mein Vater hatte vor 20 Jahren noch den klassischen Neben­erwerbs­betrieb. Doch ich bin einer, der der Genossen­schaft lieber den Rücken zugedreht hat und seine eigenen Ideen verfolgt. Das hatte den Nach­teil, dass es für mich sehr schwer war, an Wein­berge heranzukommen, die man mit dem Voll­ernter bewirt­schaften kann. Die Alternative waren Steil­lagen und davon habe ich einige“, schmunzelt Eberhard Klein, der einzige Selbst­vermarkter in Walheim wie er sagt.

„Damals war ich noch jung und enthusiastisch und habe mich intensiv mit dem Thema Steil­lagen befasst und das Potenzial entdeckt, das in den Lagen steckt“, berichtet er. Die Begeisterung für den guten und besonderen Wein ist geblieben und beim Butten­tragen in den Steil­lagen hilft heute Sohn Moritz. „Die steilen Hang­lagen mit ihrer intensiven Sonnen­einstrahlung – ich habe schon immer Visionen mit den Steil­lagen gehabt.“ Eberhard Klein nennt Chardonnay und Merlot als Sorten, die der Heraus­forderung stand­halten. Nur sei es immer schwieriger, für die Trauben­lese Leute zum Butten­tragen zu kriegen, auch deshalb weil, die Menschen immer mehr ins Arbeits­leben eingebunden sind.

Eberhard und Karin Klein: Die neuen Eichenfässer stehen bereit.

Eberhard Klein betreibt einen „kleinen Familien­betrieb“, wie er sagt, mit 3,5 Hektar Weinberg. Die Hälfte seiner Ertrags­lagen sind Steil­lagen. Klein kommt ohne ausländische Hilfskräfte aus und kann auf eine „Kern­truppe“ zurückgreifen. „Wir arbeiten natürlich das ganze Jahr im Wein­berg. Pflanzen­schutz und Laub­arbeiten sind ein Dauer­auftrag.“ Er verwende keine Herbizide und habe eine natürliche Dauer­begrünung. Eberhard Klein ist kein Freund von Maschinen, sagt er selbst. „Ich brauche keine Sateliten­steuerung im Wengert. Das muss man immer in Relation sehen, ob sich das von der An­schaffung her überhaupt lohnt.“ So manche Reb­anlage sei mehr als 40 Jahre alt und da passen keine Maschinen dazu, erklärt er. Eberhard Klein setzt in seinem Betrieb auf die klassische Handlese.

Er liebt alte Reb­sorten und setzt sich für ihre Kultivierung ein. Vor allem auf seinen Riesling, eine alte Sorte, ist er stolz. Auch seinen Grau­burgunder und seinen Ruländer baut Eberhard Klein auf traditionelle Weise aus. „Deshalb hat der Grau­burgunder auch diese goldene Farbe“, erklärt er stolz. Der Weißwein dominiert seinen Weinbau mit 60 Prozent. „Das ist für Neckar­tal­verhältnisse eher ungewöhnlich“, ist ihm bewusst.

Diese Woche haben Karin Klein und ihre Helfer Paul Köhler (Mitte) und Werner Flumm Trollinger­trauben auf dem Walheimer Berg gelesen.

Wenn dann die weißen Trauben nach der Lese bei Eberhard Klein auf dem Weingut ankommen, werden sie erst einmal dort „entrappt“, das heißt, die Kämme kommen weg und die Beeren werden aus­gepresst und ein­gemeischt und dann „nach sortenabhängiger Stand­zeit“, schonend bei zwei Bar abgepresst.

Der „Most, der daraus entsteht, kommt ins Gär­gebinde im Edel­stahl­tank und wird dort mit Hilfe von moderner Elektronik kontrolliert. Der Weißwein wird kühl vergoren. „Wir verbinden bei der Weiß­wein­bereitung eigene Hefen mit der Spontan­vergärung“, erläutert er das Verfahren. Nach rund sechs Wochen ist der Gärvorgang abgeschlossen. Anschließend wird der Wein mit Kieselgur gefiltert. Dann verliert er seine trübe Farbe. Kieselgur sei ebenfalls ein klassisches Filtrations­mittel, erklärt Klein. So entstehen die Spezialitäten im Weiss­wein­bereich im Eigen­ausbau. Im kleinen Eichen­holz­fass erhält der Chardonnay seine Reife. „Wir waren damals mit die ersten, die hier Chardonnay angebaut haben“, weiß Klein noch genau.

Auch der Rot­wein entsteht hier in der klassischen Meischen­gärung. Ihm wird allerdings Wärme zugeführt, weil „sich dann die Farbe besser von der Schalen­haut löst“. 15 bis 20 Tage lang wird der Rotwein in der Maische vergoren und täglich mehrmals umgerührt. Erst nach Beendung des Gär­prozesses wird die Meische aus­gepresst und schließlich kommt auch der junge Rotwein teil­weise ins Holzfass.

„Wenn es zu einer Gär­stauung kommt, sollte man eingreifen“, deshalb sei die Gär­kontrolle wichtig. „Wir sind eine Manufaktur im eigentlichen Sinn. Wir versuchen den Wein als eigen­ständiges Ding zu sehen und ihn in seiner Natürlich­keit zu belassen“, ist Eberhard Kleins Credo. Zu dieser Grund­haltung, die traditionell geprägt ist passt auch die Symbol­figur der Weingärtner­familie Klein, die Epona. Der Großvater hatte einst eine Platte aus der Römer­zeit mit einer Darstellung der keltischen Frucht­barkeits­göttin im Weinberg gefunden. Eine Kopie des kultur­historischen Schätzchens thront in Kleins Probier­stube.

Von Susanne Yvette Walter   |   Bilder: Martin Kalb     © www.swp.de
Eichelmann - Beschreibung  

Württemberg Walheim

EBERHARD KLEIN

Knapp die Hälfte der Weinberge von Eberhard Klein liegt in terrassierten Steillagen am Zusammen­fluss von Neckar und Enz, wo die Reben auf Muschel­kalk­böden wachsen. Bis auf einen Weinberg in Besigheim (Wurmberg) liegen alle Parzellen in Walheim, darunter einige im ursprünglichen Schalkstein, der 1971 Namens­geber für alle Walheimer Weinberge wurde. Die Weinberge, 28 Parzellen, zwischen 4 und 40 Ar groß, sind dauerbegrünt. Eberhard Klein baut Riesling, Grau­burgunder, Traminer, Lemberger, Trollinger, Schwarz­riesling und Zweigelt an, in den letzten Jahren setzte er verstärkt auf Chardonnay und Spätburgunder, legte Merlot neu an. Die Weißweine werden komplett spontan­vergoren, die Rotweine teilweise, alle Rotweine werden in großen und kleinen Eichen­holz­fässern ausgebaut, Weißweine kommen ebenfalls gelegentlich ins Barrique.

© Eichelmann  
Eichelmann 2018  

Kollektion

Einmal mehr präsentiert Eberhard Klein eine starke Kollektion, die weiß wie rot gleicher­maßen überzeugt. Der Steil­lagen-Riesling besitzt feine Frucht, Säure und Biss, der Riesling von alten Reben ist noch etwas druck­voller. Der Grau­burgunder ist wunder­schön rein­tönig und rauchig, besitzt gute Struktur und reife Frucht, die weiße Cuvée ist saftig, harmonisch. Unser Favorit im weißen Segment ist der Chardonnay, der gute Konzentration und rauchige Noten zeigt, füllig und kraft­voll ist, reife Frucht, gute Struktur und Substanz besitzt. Der Trollinger ist wunder­schön frucht­betont und reintönig, die rote Cuvée klar und zupackend. Auch der Lemberger besticht mit seiner rein­tönigen Frucht, ist frisch und zupackend, gerad­linig und strukturiert. Unser eindeutiger Favorit unter den Rot­weinen ist aber der im Barrique ausgebaute Merlot, der herrlich ein­dringlich und konzentriert ist, dezent Vanille zeigt, füllig und kraft­voll ist, reife Frucht und gute Struktur besitzt, Substanz und Länge.

Weinbewertung

832016 Riesling trocken Steillagen12% / 6,20€
842016 Grauburgunder trocken 13,5% / 7,40€
862016 Chardonnay trocken13% / 10,50€
832016 „Epona“ Weißwein 12,5% / 10,50€
842016 Riesling „Alte Reben“ 12,5% / 8,20€
842015 Trollinger trocken Steillage 12,5% / 5,20€
842015 Lemberger trocken 13,5% / 6,20€
822015 „Epona“ Rotwein trocken 13,5% / 6,80€
872015 Merlot Barrique13,5% / 13,50€
© Eichelmann 2018  
Eichelmann 2017  

Kollektion

Mit der neuen Kollektion schließt Eberhard Klein nahtlos an die sehr guten Vorjahre an. Mit teils deutlich veränderten Weinen, vor allem der Riesling von alten Reben ist nicht wieder zuerkennen, ist opulent, süß, der Auslese recht ähnlich, weniger druckvoll und mineralisch als gewohnt, vielleicht wäre ja eine frühere Ernte oder aber ein noch dezidiert restsüßerer Ausbau die bessere Lösung gewesen. Stark wie gewohnt präsentieren sich die im Holz ausgebauten Weißweine, der Epona ist klar und zupackend, Chardonnay und Grauburgunder bestätigen den sehr guten Eindruck des Vorjahres, als wir beide schon als Fassproben verkosteten; Sie sind gekonnt vinifiziert, besitzen Fülle und Kraft, reife Frucht und gute Struktur, das Holz ist schön integriert. Auch die beiden Rotweine überzeugen: Der Spätburgunder ist frisch und fruchtbetont, klar und zupackend, besitzt gute Struktur und Biss, der Lemberger ist deutlich kraftvoller und stoffiger, deutlicher vom Holz geprägt, zeigt Gewürz- und Vanillenoten, klare Frucht, besitzt gute Struktur und Substanz.

Weinbewertung

842015 Grauburgunder14.5% / 7,40€
872014 Chardonnay Holzfass13.5% / 10,50€
872014 Grauburgunder Holzfass12.5% / 10,50€
862015 „Epona“ Weißwein15% / 10,50€
842015 Riesling „Alte Reben“13.5% / 8,20€
852015 Riesling Auslese13.5% / 10,50€
872014 Lemberger Barrique14% / 10,50€
862014 Spätburgunder Barrique13% / 10,50€
© Eichelmann 2017  
Eichelmann 2016  

Kollektion

Die neue Kollektion ist stark, schließt nahtlos an die Vorjahre an. Der Riesling ist klar und zupackend, der Grauburgunder füllig und saftig, besitzt guten Druck. Die beiden weißen Barrique-Weine, als Fass­proben verkostet, zeigen feine rauchige Noten und dezenten Toast im Bouquet, sind füllig und zupackend im Mund, besitzen gute Struktur und Kraft. Die beiden Trollinger sind frisch, fruchtbetont und zupackend, der Zweigelt duftig, geradlinig, die beiden Lemberger fruchtbetont, zeigen Johannisbeeren im Bouquet, sind klar und zupackend im Mund. Sehr gut gefällt uns der im neuen Barrique ausgebaute Lemberger, zeigt gute Konzentration, rauchige Noten, reife Frucht, ist füllig und kraftvoll im Mund, stoffig und fruchtbetont. Der Barrioue-Spätburgunder ist frisch, reintönig und präzise, besitzt feine Frucht, gute Struktur und Länge.

Weinbewertung

852014Riesling „Alle Reben“12% / 8,20€
852014Grauburgunder trocken12.5% / 7,40€
(87)2014Chardonnay trocken Barrique10,50€
(87)2014Grauburgunder trocken Barrique10,50€
842013Trollinger trocken Steillage12% / 5,20€
832014Trollinger trocken Steillage12,5% / 5,20€
832013Zweigelt trocken13% / 7,40€
842013Lemberger trocken13% / 6,40€
(84)2014Lemberger trocken6,20€
882013Lemberger trocken Barrique13.5% / 10,50€
872013Spätburgunder trocken Barrique13% / 10,50€
© Eichelmann 2016  
Eichelmann 2015  

Neue Kollektion

Eberhard Klein erzeugt sehr eigenständige Weine mit einer klaren Hand­schrift, schnörkellose Weine, die sich gut entwickeln, wie die zweiten Füllungen der beiden 2012er Rieslinge zeigen: Der Steillagen-Riesling ist frisch und zupackend, besitzt gute Struktur, Frucht und Biss, der Riesling von alten Reben zeigt gute Konzentration und faszinierend viel Frucht im Bouquet, ist strukturiert und druck­voll im Mund; die 2013er Rieslinge sind geradlinig, deutlich verhaltener, der Wein von alten Reben besitzt viel Potenzial. Der Sekt ist frisch und frucht­betont bei ganz leicht rauchigen Noten, überzeugt ebenso wie der füllige, harmonische im Barrique aus­gebaute Pinot des Jahr­gangs 2012, der leider nicht ganz durch­gegoren ist. Sehr eigenwillig und interessant sind auch die Rotweine von Eberhard Klein, bei denen sich zu Spontinoten gelegentlich ein Anflug von Wildbret im Bouquet hinzu­gesellt. Unsere Favoriten sind der im Barrique aus­gebaute Lemberger, ein zupackender Wein mit guter Struktur und Substanz, sowie der präzise sehr reintönige Merlot, der kraft­voll und zupackend ist bei feinen Tanninen.

Weinbewertung

852012Rosé Sekt extra brut12% / 12‚50€
852012Riesling Kabinett trocken „aus Steiliagen" 2. Füllung12,5% / 5,20€  
842013Riesling „Steillagen“11,5% / 5,20€
862012Riesling „Alte Reben“ 2. Füllung12,5% / 7,40€
842013Riesling „Alle Reben“12% / 7,40€
852012„Pinor“ Weißwein Barrique14% / 10,50€
842012Trollinger trocken Holzfass13% / 5,20€
842012Zwengelt trocken13% / 6,80€
852012Lemberger trocken13.5% / 6‚20€
872012Lemberger trocken Barrique13,5% / 9,50€
872012Merlot trocken13% / 13,50€
852012Spätburgunder trocken12.5% / 10,50€
© Eichelmann 2015  
Stuttgart kulinarisch  
Charakterkopf
Holger Gayer hat ein schwäbisches Original besucht. Der Mann ist einer der besten Rieslingerzeuger in Württemberg.

Auf der Suche nach dem Bilderbuchschwaben empfiehlt sich ein Ausflug nach Walheim. Dort, im nördlichen Kreis Ludwigsburg, wo Enz und Neckar sich vereinen, kann man nicht nur besichtigen, wie die Römer einst in hiesigen Gefilden gewohnt haben, sondern auch ein Wengerteroriginal besuchen, wie es inzwischen selten geworden ist. Eberhard Klein heißt der Mann. Er ist stur, lässt sich von niemandem dreinreden, gleichzeitig tüftelt er in Weinberg und Keller, um ein möglichst perfektes Ergebnis zu erzielen, über das er ganz im Sinne der schwäbischen Bescheidenheit nicht viel spricht, sondern dem Gast lieber einschenkt.

  In einem Satz zusammengefasst: Eberhard Klein gehört für mich zu den besten Rieslingerzeugern in Württemberg. Ohne das an die große Glocke zu hängen oder auf die Etiketten zu schreiben, lässt er seine Weine spontan vergären. Dabei kommen erstaunliche Ergebnisse zu Tage, die sich auch noch verändern können. Von seinem 2012er Riesling Alte Reben hat Klein zum Beispiel zwei Versionen. Die Erste wurde im April abgefüllt; sie ist mineralisch, schlank, geradlinig. Die Zweite kam im August auf die Flasche; der gleiche Wein hat nun viel mehr Gewicht und Schmelz von fast schon barocken Ausmaßen. Ich mag übrigens beide - und kann es mir bei einem schwäbischen Preisleistungsverhältnis (das Flasche kostet 7,40 Euro) zum Glück auch leisten, von beiden Versionen etwas in den Keller zu legen.

Das Urteil der StZ-Weinrude:
Kathrin Haasis   Für einen Riesling ist dieser sehr gehaltvoll. Das fängt beim Bukett an: Ich rieche jede Menge Frucht, Traube und Birne vor allem. Er hat dann viel Schmelz, zum Ausgleich mangelt es ihm nur an etwas knackiger Säure.
Harald Beck   Der später abgefüllte Tropfen kommt tatsächlich nochmals deutlich kräftiger daher als der ältere Bruder. Ein Riesling für alle, die mehr das körperliche, denn einen frischen knackigen Vertreter der Sorte mögen, mir ist er etwas zu schwer.

 © Stuttgarter Zeitung